Die Welt der Steinbrüche, zwischen Fantasie und Realität

Der deutsche Künstler Torsten Paul wurde vom einzigartigen und wunderschönen Szenario der Apuanischen Alpen verzaubert. Er ist nicht nur von der Welt der Steinbrüche fasziniert, als das vielmehr Neugier und vielleicht auch Schicksal in ihm ein tiefes Interesse hegten bis zu dem Punkt, dass sie ihn nach Carrara zurückkommen ließen. Hier beginnt die künstlerische Reise zwischen Bildern und Farben, welche ihn dazu brachten die Bergdörfer zu besuchen, die Marmorbecken und die seit 2000 Jahren ausgegrabenen Seiten, wo man heute noch die Kraft der Natur und den Mut der Menschen erahnen und spüren kann.
So verspürte auch er die Notwendigkeit dazubleiben und mit Eleganz befragte und notierte er jede interessante Emotion mit schnellen und entschiedenen Zeichnungen auf dem weißen Papier, als würde das innere Auge des Künstlers anhalten und die Instanz der Zeit repräsentieren. In den ersten Strichen erkennt man schon eine akkurate Aufmerksamkeit auf das Besondere und in den entspannten Zügen der Zeichnung konnte man fast die endgültige Struktur des Werkes sehen.
So entstand eine Serie von Ölbildern mit dem Titel der Welt der Steinbrüche zwischen Fantasie und Realität, bei der Paul die Erlebnisse malte, welche ihn so sehr beeindruckt haben um ihnen Form und Expression bei jedem Strich zu geben. Diese Fragmente aus den Steinbrüchen zu fühlen und zu sehen, werden mit leichtem Strich dargestellt, dass eine ganze Essenz in den Ortschaften, Ausschnitten und Objekten einen fast fotografischen Realismus seiner Bilder offenbart.
Paul malt auf seine Art Momente der Welt der Steinbrüche und in seinem Stil entsteht ein Neorealismus, bei dem die Beschreibung auf ein vergangenes und präsentes Erlebnis hinweist und dem einige Besonderheiten der Realität des Alltags angehören, während andere noch Früchte einer liebenswerten Fantasie sind.

Corriere della sera, Milano

Auzüge aus Katalogen

„Er schafft es in seinen neuen Arbeiten das zu transportieren was dem Betrachter das Gefühl gibt, hautnah an diesem Naturwunder teil zu haben. Torsten Paul scheut sich jedoch auch nicht, die im krassen Gegensatz zu diesem Naturwunder stehenden Folgen eines maßlosen Abbaus zu zeigen. Das Zurückbleiben einer quadrierten unwirklichen Landschaft und riesiger Geröllfelder, Prozesse des Verschwindens ganzer Bergkuppen.“

Dr. Berndt
Berlin, Kunsthistoriker


„In seinen Bildern vertritt er die weiße Qualität, welche typisch ist für den Marmor aus Carrara. Ich kenne derzeit keinen italienischen Maler der diese Fähigkeit so beherrscht.“

Luciano Lattanzi, Carrara                                                              
Künstler

Zu den Zeichnungen des Bildhauers Torsten Paul
Bgleittext im Katalog Bildhauerzeichnungen

„Schauen wir genauer auf die Zeichnungen von Torsten Paul. Sie sind einerseits Medium sui generis, die sehr gut für sich stehen können, andererseits aber doch auch Bildhauerskizzen, weil ihr Ausdrucksvokabular für den Künstler Anreize bereitstellt, um sie als Motive in der dritten Dimension zu verwirklichen.
Wenn Paul mit dunklem Graphit, heller Kreide und lavierender Tusche den Volumina des weiblichen und männlichen Körpers auf der Fläche des Papiers hinterherspürt, hat der Betrachter mehr als einmal den Eindruck, Paul nehme mit diesen zeichnerischen Unternehmungen zugleich anthropometrisch Maß an seinen Modellen, seien sie nun imaginiert oder real vorhanden. Es ist, als verinnerliche er beim Zeichnen ihre Proportionen um sie bei anderer Gelegenheit umso leichter aus dem Stein schlagen zu können. Dem entspricht auch, dass Pauls Zeichnungen ein präzises Bewegungsalphabet durchbuchstabieren. Die Darstellung der Menschen im Hocken, Liegen, Knien und Sitzen, mit angezogenen, angewinkelten, weggestreckten, geöffneten und geschlossenen Beinen, diese Darstellung ist stets auch ein zeichnerisches Austesten ihrer Anatomie.
Der Blick, den Paul auf seine Modelle wirft, wechselt nicht minder als die Menschen, die ihm Modell stehen. Mal hüllt er sie ein in einen weich und organisch operierenden Strich und gibt ihnen durch abschattierende Gestik Körperlichkeit und Volumen, Leben und Fülle. Dann wieder drängt sein Strich zur Verkürzung und Verknappung, begnügt sich mit rascher, präziser Konturierung, die den Menschen in seiner anatomischen Eigenart quasi nackt vor unsere Augen stellt, was ein schönes Paradox ist, denn natürlich handelt es sich ja bei all diesen Darstellungen um Akte.
Bei anderer Gelegenheit entfernt sich der Strich von der natürlichen Körperlichkeit und übersetzt, was er sieht, in ein konstruktives Idiom, das mehr eine gefühlte Ähnlichkeit, denn eine gesehene Wirklichkeit wiedergibt. Bei wieder anderen Zeichnungen konzentriert sich der Stift auf ein körperliches Merkmal, das er unverhältnismäßig vergrößert, etwa einen Schenkel, einen Arm oder eine Brust, während er andere Partien ignoriert und unbehandelt lässt. Über die Hypertrophie wird hier ein Eindruck fixiert, ein Charakter erfasst. Immer wieder erscheinen Rückenansichten, deren Architektur für Paul von besonderem Reiz zu sein scheint, wohl weil der Bogen einer gespannten Wirbelsäule in sich schon skulptural ist. Natürlich ist auf dem Papier allemal mehr an Experiment möglich als in der skulpturalen Praxis. Was geht, merkt der Künstler, sobald er die Figur aus Ton aufgebaut hat.“

Michael Stöber
Hannover, Kunstkritiker